Vernunftzentrum

2020/01/05 8:02:34 PM UTC

nolympia, ein erster Einduck, lang
Nun habe ich von dieser 'Olympia' Idee erfahren. Nicht gewusst, was das ist?

Also.

Ok, also eine Firma 'Einhorn' - Deren Geschäftsidee die Vermarktung veganer Kondome ist. (Da ist schon der Firmenname irgendwie noch komischer).

Die denkt sich irgendwann, ey mit Petitionen kann man Politik machen. Dann: boah mehr Menschen.

Und wenn die alle gleichzeitig (im Gruppenzwang -- meine Anmerkung) eine Petition unterschreiben is das cool.

Also gehen alle ins Olympia Stadion Berlin und stimmen über hoffentlich alle tollen Dinge ab und haben es damit der Politik gezeigt.

Damit das funktioniert konnten FFF und Medienstars gewonnen werden.

Soweit so gut, das ist glaub ich grob die Aktion, die man sonst einem think tank zuschreiben würde.

Dann kommen die Schwurbler auf den Plan und reden sich um Kopf und Kragen: "Nein keinen einfluss aus der Wirtschaft" - "Alle sollen kommen!" "Wirklich alle?" "Ja wenn sie konstruktiv mitmachen!" "Auch Nazis?" "Ja klar, wenn sie nicht rassistisch sind!" (Das ist überspitzt, aber auch an dusseligkeit kaum zu überbieten).

Bisher haben sich wenige FFF Gruppen geäußert. Die meisten finden wohl entweder die publicity oder den glamour eines Massenevents cool.

~2Mio EUR haben sie eingesammelt. Das event könnte also stattfinden.

Die geneigte Leser*in hat vielleicht gemerkt, dass ich das für keine gute Idee halte. Warum?

- Um pol. Positionen mit so vielen Menschen zu erarbeiten bedarf es langer Vorarbeit, um auf ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Sprache zu kommen. Das erscheint mir in dem bisherigen Plan ambitioniert bis nicht richtig gewürdigt. Das dann 'alle ihr Handy zücken und eine Petition einreichen' ist zwar eine verlockende Vorstellung, aber stehen dann genug Menschen auch dahinter?

- Die FFF Bewegung ist vor allem auch eine Bewegung um Klimagerechtigkeit. Diese wird zumindest in der Eventbeschreibung zu Gunsten eines erweitert gedachten Klimaschutzgedanken aufgegeben. Das halte ich für bedenklich, da hier emanzipatorische Positionen aufgegeben werden.

- Die Schwurbler ziehen weitere Schwurbler an, 'wir brauchen jeden' Rhetorik lädt Menschen ein, die man nicht haben will und diese können dann die Diskussionen mit ihren Themen vergiften und es wird Energie verschwendet, die es bräuchte um Druck auf Politik aufzubauen.

- Klimagerechtigkeit mit einer Firma im Boot ist schwierig zu vermitteln, sind es doch Firmen, die maßgeblich den Klimawandel behindern. Firmen sind zwangsweise hierarchisch aufgebaut und vom Kapitalismus abhängig. Alles Positionen, aus denen Kimagerechtigkeit immer schwerer gedacht werden kann.

- Der Ort des Treffens ist hochproblematisch, mit Nazisymbolik aufgeladen und ein derart schlechtes Beispiel für Massenveranstaltungen im 3. Reich, das ich gar nicht weiss, ob die Einhörner hier überhaupt weitergedacht haben. Ein ähnlicher Ort in Nürnberg mit Platz für ähnlich viele Menschen ist das Reichsparteitagsgelände. Dennoch kommt hier niemand auf die Idee, dort eine emanzipatorische Veranstaltung statfinden zu lassen (hoffe ich).

- Umgang mit Kritik. Berechtigte Einwände von *aktiven* Gruppen werden abgewiegelt und zu Gunsten einer möglichen 'Massenmobilisierung' abgetan.

Warum nicht die 90.000 Menschen auf die Straße bringen und dort das event abhalten? Warum nicht dezentral die Veranstaltung abhalten?

500.000 Menschen haben bei FFF demonstriert, das Potential wäre vorhanden. Den kommerziellen Rahmen, mit allem was dazugehört bräuchte es nicht.

Was es bräuchte wären Konzepte, wie die Inhalte der Forderungen gemeinsam gefunden werden können.

Unterstützt doch die Schüler vor Ort, die werden nicht alle nach Berlin fahren können.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass sich hier privilegierte Menschen auf der Arbeit von hunderten Schüler*innen ausruhen und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen wollen.

Alles in allem eine Veranstaltung, die so gar nicht zum Anspruch von FFF passt und es drängt sich mir der Verdacht eines beginnenden derailings auf, einer Institutionalisierung, die der Bewegung nicht gut tun wird.
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2020/01/06 4:30:24 PM UTC

nolympia, ein erster Einduck, lang

@ckeen das mit der nazi Symbolik nehme ich denen nicht übel.

Viel übler ist für mich dieses Treffen um mal schnell ein paar Petitionen durchzupeitschen. Selbst ohne Gruppenzwang eine blöde Idee. Welche Petition hat was gebracht? Da wird Leuten vorgegaukelt, dass sie damit was bewegen können. Das ist aber nicht so.

Sollen sie aber mal machen. Mich interessiert eher wie die das mit dem Internet hinbekommen wollen für 90k Leute auf 1 Fleck.

2020/01/06 4:34:51 PM UTC

re: nolympia, ein erster Einduck, lang
@esopriester Ja, das stößt mir auch auf. Vor allem weil ja auch verkündet wurde das Event CO₂ neutral zu machen. Wie man 90k Menschen CO₂ neutral transportiert is mir da noch nicht klar.

Da ist mehr PR am Start als sonstige Konzepte.

Selbst wenn man es ernst meint mit den Petitionen, dann wäre ein dezentraler Ansatz mit lokaler formulierung der Anträge / Forderungen etc ja sinnvoller und leichter zu skalieren.

Die Menge an Menschen wäre ja schon vor Ort.

So wird das ein hippes Treffen von Menschen, die es sich leisten können auf ein Massenevent zu gehen, fürs Gefühl.

Und dabei werden viele Resourcen verbraten.

2020/01/06 4:36:02 PM UTC

re: nolympia, ein erster Einduck, lang
@esopriester Und mir fehlt die Klima*gerechtigkeit*. Ohne das wird sich die Welt nicht ändern, weil der solidarische Grundgedanke komplett außen vor bleibt.